Die wahren Verschlechterungen und Preiserhöhungen bei der Bahn!

[Korrigierte Fassung vom 7.11.2011] Recherchen von autofrei leben! e.V. - der Initiative der Autofreien - haben ergeben, dass durch den Wegfall der Sparpreis 50/25 und den dadurch veränderten Mitfahrerrabatten sich der Preis bei vielen Relationen um weit mehr als die kommunizierten 3,9% erhöhen wird.

Dazu erklärt Heiko Bruns, Vorsitzender von autofrei leben!

"Im Schatten der Erhöhung des Normalpreis' werden die Sparpreise 50 und 25 ersatzlos abgeschafft, die die Bahn durch geschickte Kontingentierung nur noch 1% der Kunden angeboten hat. Die ehemaligen Spezial-Preise (Festpreis ab 29 € pro Richtung über 250 km) werden nun zu den einzigen Sparpreisen erhoben, bei denen die 'Ersparnis' am Schalter darin besteht zusätzlich 5 € Bedienzuschlag zu zahlen.

Wer bisher einen der wenigen Sparpreise 50 erwischt hat, zahlt 56% mehr!

Der Wegfall der Sparpreise 50 und 25, sowie des damit verbundenen Mitfahrerrabatts von 50% bei den Sparpreisen hat zur Folge, dass sich die bei den Kunden beliebten Sparpreistickets bei der Fahrt zu zweit exorbitant verteuern. Durch die vollständige Streuchung des 50%igen Rabattas für Mitfahrer gibt die Deutsche Bahn einen Vorteil des bisherigen Preissystems gegenüber der Benutzung des Autos auf, weil sich die Pkw-Nutzung bekanntlich mit der Anzahl der Mitfahrer verbilligt.

Wir fordern die Deutsche Bahn auf, diese - insbesonders familienfeindliche – Tarifänderung zurückzunehmen und eine Preispolitik zu betreiben, die dauerhaft Menschen zum Umsteigen auf die umweltfreundlichere Schiene bewegt.

Angesichts der Aufregung über 3,9 % Preiserhöhung wird sich der Bahnvorstand im BahnTower am Potsdamer Platz mit Blick auf dieses gelungene Ablenkungsmanövers vor Lachen die Bäuche halten.

Denn ein Vergleich der bisher günstigsten Reisemöglichkeit von Berlin an die Ostsee mit der zukünftig verfügbaren ergibt bei einer Urlaubsreise von zwei Personen sogar eine Preissteigerung von 70% -von 44,70 € auf 76 € !"

Die Unterschiede im Überblick (Nachtrag am 07.11.11)

    Sparpreis 50/25   Sparpreis (ehemals Dauer-Spezial)
  • kein Bedienzuschlag
  • 2 Tage gültig pro Richtung
  • 50% Mitfahrerrabatt (auch ohne BahnCard) 
  • mit Bedienzuschlag
  • maximal 1 Tag (bis 10 Uhr des Folgetags) gültig
  • Mitfahrerrabatt pauschal 9 € - ggf. BC25-Rabatt 

Rückfragen:

Heiko Bruns, Vorsitzender autofrei leben! e.V., Tel.: 0176 - 83 12 49 55

Hintergrund:

Resonanz:

taz.de - 27.10.2011
Hanno Böck - "Bahnfahren wird zum Luxus"

Anmerkung zur taz:

Der Tenor unser PM ist nicht, dass Bahnfahren zu teuer wird. Unsere Kritik steht nicht dafür, den teuren ÖPNV zu schelten, sondern die Preiserhöhungen weit jenseits der kommunizierten 3,9%.
Im Vergleich zum Pkw ist Bahnfahren weiterhin günstig. Unsere Kritik legt den Focus auf die Abschaffung der attraktiven Mitfahrerrabatte, die den Vorsprung ggü. dem Pkw auch bei Fahrten mehrerer Personen ermöglichten.
Mobilität darf auch in der Eisenbahn nicht billig sein.
Leider kopiert das jetzige Preissystem der DB den Flugverkehr und bestraft spontane Nutzer mit höheren Preisen als für Frühbucher, die mit etwas Glück einen Schnäppchenpreis erwischen konnten.

Zitate

"Ohne eine verursachergerechte Anlastung externer Kosten des Gütertransports ist eine am Bedarf orientierte Infrastrukturpolitik nicht nur verkehrs- und regionalpolitisch zweifelhaft, sondern sie steht auch regionalen Wirtschaftskreisläufen entgegen. Die gesamte am Bedarf orientierte überregionale Infrastrukturpolitik ist aus ökonomischer Sicht in Frage zu stellen."

---- IFO, München 2003