Mai 2020: Offener Brief in Coronazeiten

Sehr geehrter Frau Bundeskanzlerin Merkel,
sehr geehrter Herr Bundesminister Altmaier,
 
Die Coronakrise hat das normale Leben abrupt gebremst. Viele Menschen sind dadurch um ihr Einkommen gebracht worden und in existentielle Not gestürzt worden. Ihnen zu helfen ist eine angemessene Tat. Dazu werden öffentliche Gelder verwendet und die öffentliche Hand macht Schulden. Es ist abzusehen, dass wir, unsere Kinder und Enkel noch lange dafür herhalten müssen, diese Schulden zurückzuzahlen, während gleichzeitig der Sozialstaat (nicht seinen, sondern) unseren Gürtel enger schnallen wird. 
Deshalb fordern wir, dass diese Gelder nur dahin ausgereicht werden, wo es tatsächlich Not zu lindern gibt.
 
Dass ein Industriezweig, der über Jahrzehnte die dringlichen Notwendigkeiten des Klima- und Gesundheitsschutzes ignoriert und mit Füßen getreten hat, nun mit diesen Geldern weitere Geschäfte machen soll, ist unbegründbar 
 
    Denn zum einen wurde dort genug Geld verdient, um die leitenden Personen mit unterirdisch hohen Gehältern und Boni zu verwöhnen und die Aktionäre mit reichlich Dividenten zu überschütten.
    Zum anderen soll die Anschaffung von Auto befördert werden, während doch eine Verkehrswende, der Umstieg auf wirklich umweltschonende Mobilität schon lange das Gebot der Stunde (und vieler vorausgegangener Stunden) ist.
    Zum dritten werden sich jetzt hauptsächlich Menschen Autos aus deutscher Produktion leisten, die dies ohne jeglichen finanziellen Zuschuss genauso gut tun könnten.
  
Der Verein, den ich vertrete, ist ein Zusammenschluss von Menschen, die sich bewusst entschieden haben, um des Klimas willen auf ein Auto zu verzichten.
Unter unseren Mitgliedern sind auch viele, die in Coronazeiten Einbußen hinnehmen mussten. Niemand davon sieht eine Autokaufprämie als gerecht oder hilfreich an. Im Gegenteil, um die massiven Schäden wissend, die die Auto-Mobilität in Stadt und Land anrichtet, fordern wir eine Reduzierung des Autoverkehrs und die Förderung von Alternativen, mehr Öffentlichen Verkehr, sichere Radwege, angenehme Fußwege in Stadt und Land, sowie eine Stadt- und Landesplanung der kurzen Wege.
    Dem steht die schon wieder von der Bundesregierung geplante Förderung einer kontraproduktiven Branche entgegen.
 
    Ihre Regierung hat beim Autogipfel am 5. Mai hinter verschlossenen Türen einen Vorschlag für eine Kaufprämie erarbeitet, obwohl diese Forderung der Autoindustrie auf außergewöhnlich breite, scharfe und vielschichtig begründete Kritik gestoßen ist. Die Kritik kommt aus allen Parteien (auch aus der CDU), von zahlreichen namhaften Ökonom/innen, von Umwelt- und Verbraucherschützern, Verkehrsverbänden und unzähligen Bürgerinnen und Bürgern. Umfragen zufolge lehnt die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung eine Kaufprämie ab.
    Ist das Demokratie? Unter welchen drückenden Bedrohungen stehen Sie? Mit welchen Summen oder welchen Versprechungen hat sie die Autobranche eingekauft? Oder entscheiden Sie nach Ihrem eigenen Wissen und Gewissen? Wenn Sie genötigt werden oder sich kaufen ließen, dann sagen Sie ehrlich, dass sie aufgehört haben, im Namen und zum Wohle des Volkes zu handeln. Dann treten Sie von Ihren Ämtern zurück, da Sie die Anforderungen an Ihren Arbeitsplatz nicht erfüllen können.
  
Sie haben in dieser Sache aber noch eine  Handlungsmöglichkeit:
Sagen Sie den Autogipfel am 2. Juni ab!

Planen Sie Konjunkturhilfen, die die Bedürfnisse der Bevölkerung, insbesondere der jungen Generation (die einst die Rückzahlungen leisten müssen), die Notwendigkeiten des Klimaschutzes berücksichtigen, planen Sie Maßnahmen, die die Tragfähigkeit dieser Erde für kommende Generationen verbessern. 
    Organisieren Sie offene, für alle Bürger*innen  zugängliche Planungszellen, in denen alle berechtigten Interessen und breites Expertenwissen gehört werden.
    Hilfen für in Not geratene individuelle Menschen, Branchen und für die Zukunft dieser Erde  müssen in einem fairen Verhältnis stehen und dürfen nicht auf den Rücken unserer Kinder, Enkel und (vielleicht noch) Urenkel ausgetragen werden.
     Auch wir vom Verein "autofrei leben!" bringen gern unsere Expertise ein.
  
Mit freundlichen Grüßen 

 Gunhild Preuß-Bayer 

Vorsitzende autofrei leben! e.V. 

 

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Termine 2021 - wegen Corona bitte auch nochmal kurzfristig nachfragen

Im März würden wir gern unsere Mitgliederversammlung machen, als Videokonferenz. Genauer Termin folgt noch

SPEZI 2021 – 25. Internationale Spezialradmesse - Voraussichtlich 18.-19. September

Mai - Ride of Silence

www.rideofsilence.org | 

2020 radelten in Berlin nur 50 Personen, der Ride of Silence fand digital statt: https://adfc-berlin.de/aktiv-werden/bei-demonstrationen/ride-of-silence-demo/845-ride-of-silence-2020.html

* Juni -  Tag des Guten Lebens 

gutesleben.berlin    http://tagdesgutenlebens.berlin/

* 7.-12. September - München, Internationale Automobilausstellung, mit Gegenkongress und Protesten

* Juli / August 2020 - Tour de Natur 2021 , wenn es möglich ist

* 8.-10. Oktober - München, BUVKO www.buvko.de

* 22. September 2020, weltweit - PARK(ing)DAY

Der Park(ing) Day ist ein eintägiges globales Experiment und fand 2005 erstmals in San Francisco statt. Seitdem verbreitet er sich auf der ganzen Welt! Die Idee ist, Auto-Parkplätze für ein paar Stunden in öffentlich nutzbare Flächen umzugestalten und so den öffentlichen Raum zurückzuerobern, der sonst nur von parkenden Autos eingenommen wird.

Der PARK(ing) DAY ist eine weltweite Aktion, bei der alljährlich Künstler*innen, Designer*innen oder ganz normale Bürger*innen einen abgegrenzten Parkplatz in einen temporären öffentlichen Park verwandeln.

www.parking-day-berlin.de

Zitate

"Seit 1995 wurde in Europa das Autobahnnetz von 47.500 auf 62.000 Kilometer verlängert, das Schienennetz von 218.000 auf 195.000 Kilometer abgebaut sowie die Zahl der Pkws von 178 Millionen auf 225 Millionen gesteigert. Und 600.000 Menschen wurden im Straßenverkehr getötet."

--- Winfried Wolf in: „Verkehr. Umwelt. Klima”, 2007