Offener Brief

Sehr geehrter Frau Bundeskanzlerin Merkel,
sehr geehrter Herr Bundesminister Altmaier,
 
Die Coronakrise hat das normale Leben abrupt gebremst. Viele Menschen sind dadurch um ihr Einkommen gebracht worden und in existentielle Not gestürzt worden. Ihnen zu helfen ist eine angemessene Tat. Dazu werden öffentliche Gelder verwendet und die öffentliche Hand macht Schulden. Es ist abzusehen, dass wir, unsere Kinder und Enkel noch lange dafür herhalten müssen, diese Schulden zurückzuzahlen, während gleichzeitig der Sozialstaat (nicht seinen, sondern) unseren Gürtel enger schnallen wird. 
Deshalb fordern wir, dass diese Gelder nur dahin ausgereicht werden, wo es tatsächlich Not zu lindern gibt.
 
Dass ein Industriezweig, der über Jahrzehnte die dringlichen Notwendigkeiten des Klima- und Gesundheitsschutzes ignoriert und mit Füßen getreten hat, nun mit diesen Geldern weitere Geschäfte machen soll, ist unbegründbar 
 
Denn zum einen wurde dort genug Geld verdient, um die leitenden Personen mit unterirdisch hohen Gehältern und Boni zu verwöhnen und die Aktionäre mit reichlich Dividenten zu überschütten.
 
Zum anderen soll die Anschaffung von Auto befördert werden, während doch eine Verkehrswende, der Umstieg auf wirklich umweltschonende Mobilität schon lange das Gebot der Stunde (und vieler vorausgegangener Stunden) ist.
 
Zum dritten werden sich jetzt hauptsächlich Menschen Autos aus deutscher Produktion leisten, die dies ohne jeglichen finanziellen Zuschuss genauso gut tun könnten.
  
  
Der Verein, den ich vertrete, ist ein Zusammenschluss von Menschen, die sich bewusst entschieden haben, um des Klimas willen auf ein Auto zu verzichten.
  
Unter unseren Mitgliedern sind auch viele, die in Coronazeiten Einbußen hinnehmen mussten. Niemand davon sieht eine Autokaufprämie als gerecht oder hilfreich an. Im Gegenteil, um die massiven Schäden wissend, die die Auto-Mobilität in Stadt und Land anrichtet, fordern wir eine Reduzierung des Autoverkehrs und die Förderung von Alternativen, mehr Öffentlichen Verkehr, sichere Radwege, angenehme Fußwege in Stadt und Land, sowie eine Stadt- und Landesplanung der kurzen Wege.
 
Dem steht die schon wieder von der Bundesregierung geplante Förderung einer kontraproduktiven Branche entgegen.

 

Ihre Regierung hat beim Autogipfel am 5. Mai hinter verschlossenen Türen einen Vorschlag für eine Kaufprämie erarbeitet, obwohl diese Forderung der Autoindustrie auf außergewöhnlich breite, scharfe und vielschichtig begründete Kritik gestoßen ist. Die Kritik kommt aus allen Parteien (auch aus der CDU), von zahlreichen namhaften Ökonom/innen, von Umwelt- und Verbraucherschützern, Verkehrsverbänden und unzähligen Bürgerinnen und Bürgern. Umfragen zufolge lehnt die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung eine Kaufprämie ab.
 
Ist das Demokratie? Unter welchen drückenden Bedrohungen stehen Sie? Mit welchen Summen oder welchen Versprechungen hat sie die Autobranche eingekauft? Oder entscheiden Sie nach Ihrem eigenen Wissen und Gewissen? Wenn Sie genötigt werden oder sich kaufen ließen, dann sagen Sie ehrlich, dass sie aufgehört haben, im Namen und zum Wohle des Volkes zu handeln. Dann treten Sie von Ihren Ämtern zurück, da Sie die Anforderungen an Ihren Arbeitsplatz nicht erfüllen können.
  
Sie haben in dieser Sache aber noch eine  Handlungsmöglichkeit:
Sagen Sie den Autogipfel am 2. Juni ab!

Planen Sie Konjunkturhilfen, die die Bedürfnisse der Bevölkerung, insbesondere der jungen Generation (die einst die Rückzahlungen leisten müssen), die Notwendigkeiten des Klimaschutzes berücksichtigen, planen Sie Maßnahmen, die die Tragfähigkeit dieser Erde für kommende Generationen verbessern. 
 
Organisieren Sie offene, für alle Bürger*innen  zugängliche Planungszellen, in denen alle berechtigten Interessen und breites Expertenwissen gehört werden.
  
Hilfen für in Not geratene individuelle Menschen, Branchen und für die Zukunft dieser Erde  müssen in einem fairen Verhältnis stehen und dürfen nicht auf den Rücken unserer Kinder, Enkel und (vielleicht noch) Urenkel ausgetragen werden.
  
 Auch wir vom Verein "autofrei leben!" bringen gern unsere Expertise ein.
  
Mit freundlichen Grüßen 

 Gunhild Preuß-Bayer 

Vorsitzende autofrei leben! e.V. 

 

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Termine 2020 - wegen Corona bitte auch nochmal kurzfristig nachfragen

28. März 2020 - Mitgliederversammlung fällt aus, ein neuer Termin steht noch nicht fest

Aufgrund der Ansteckungsgefahr fällt die Mitgliederversammlung in Münster aus.  Über den nächsten Termin werden wir Sie rechtzeitig informieren.

 

15./16. August 2020, Germersheim (neuer Termin statt April):
SPEZI 2020 – 25. Internationale Spezialradmesse

"Informieren Sie sich hier über die weltgrößte Messe für Liegeräder, Falträder, Dreiräder, Vierräder, Tandems, Velomobile, E-Bikes und Pedelecs, Reha-Mobile, Lasten- und Transporträder, Klassiker, Fahrradanhänger, Ruderräder, Familienräder, Stufentandems, Tretroller, Sesselräder, Einräder und Kombinationen daraus. Besuchen Sie unsere Fachvorträge, machen Sie mit bei der Verlosung und – vor allem – fahren Sie die Spezialräder auf den Testparcours Probe!"

autofrei leben! ist bestimmt wieder in Halle 3, Stand 10 zu finden.

www.spezialradmesse.de

 

 

20. Mai 2020

Ride of Silence

weltweit um 19.00 Uhr,
u.a. in Berlin, Start am Brandenburger Tor

Der "Ride of Silence" ist eine jährlich am 18. Mai durchgeführte stille Gedenkfahrt an Radfahrer*innen, die im Straßenverkehr getötet oder verletzt wurden. Der erste Ride of Silence fand im Jahre 2003 in Dallas in Texas/USA statt. Ursprünglich war er nur als einmalige Aktion geplant, aber er wurde in den darauffolgenden Jahren wiederholt und in immer mehr Städten durchgeführt. Im letzten Jahr beteiligten sich Radfahrer*innen aus 445 Städten in 48 Ländern an der Mahnfahrt.

Die größte Gedenkfahrt fand mit 1.500 Teilnehmer*innen in Berlin statt – letztes Jahr erstmals organsiert vom ADFC Berlin. Außerdem gedachten in Bamberg, Berlin, Darmstadt, Dortmund, Frankfurt, Hannover, Köln, München, Oldenburg, Osnabrück, Stuttgart und Wiesbaden Fahrradfahrer*innen den Toten.

Die Berliner Gruppe von autofrei leben! hat in den vergangenen Jahren ein oder ehre Ghostbikes zur Erinnerung an getötete Radfahrer*innen betreut.

www.rideofsilence.org | 
https://adfc-berlin.de/aktiv-werden/bei-demonstrationen/ride-of-silence-demo.html

 

07. Juni 2020, Berlin in drei Kiezen in Mitte, Lichtenberg und Neukölln
Tag des Guten Lebens

Das Konzept des „Tag des guten Lebens“ wird seit 2013 in Köln von der Bürgerinitiative Agora Köln jährlich in wechselnden Stadtviertel erfolgreich umgesetzt. Ziel des Tages ist es, die Nachbarschaft zusammenzubringen und den öffentlichen Raum als Gemeingut zu nutzen. Dafür wird der Kiez an einem Sonntag autofrei sein.

Zu den Grundsätzen des Tags des Guten Lebens gehört, dass an dem Tag nichts verkauft und nichts gekauft werden kann, damit unterscheidet er sich deutlich von sonstigen Straßenfesten. Stattdessen soll miteinander geteilt oder geschenkt werden. Damit wird der soziale Zusammenhalt gestärkt. Um sich auf den Straßen begegnen zu können, sollen die Autos an dem Tag in anderen Gebieten geparkt werden und kein Durchgangsverkehr zulässig sein.

Die Berliner Gruppe von autofrei leben! engagiert sich im Berliner Bündnis "Gutes Leben Berlin – Bündnis der Kieze" und hat Ende August 2019 einen Workshop zum Einstieg in den PARK(ing) Day durchgeführt. 

gutesleben.berlin 

 

07. Juni 2020, Berlin:
Fahrradsternfahrt & Umweltfestival
- weltweit größte Fahrrad
demonstration und Ökomarkt

Kontakt & Informationen:

ADFC Berlin, Yorckstr. 25, 10965 Berlin-Kreuzberg, Fon 030 - 448 47 24

GRÜNE LIGA Berlin, Prenzlauer Allee 8, 10405 Berlin, Fon 030 - 4433 91-0

www.fahrradsternfahrt.de  | www.umweltfestival.de

 

21. Juni 2020, Leipzig:
Ökofete des Ökolöwen

Im Juni finden in Leipzig die Umwelttage statt. Als abschließender Höhepunkt in diesem Jahr die Ökofete. Bis zu 15.000 Besucherinnen und Besucher tummeln sich an den etwa 120 Ständen im Clara-Zetkin-Park. Dieses Jahr sind wir wieder auf der Ökofete dabei. Die Fete läuft von 12.00 bis 19.00 Uhr.

autofrei leben! wird sich wieder mit einem Stand beteiligen.

www.ökofete.de

 • 25. Juli bis 08. August 2020

(Münster-Nijmegen-Ruhrgebiet-Hambi-Köln-Bonn)

Tour de Natur 2020

Die Tour de Natur ist 1991 aus dem Widerstand gegen die "Thüringer-Wald-Autobahn" entstanden. Und widerborstig stellt sie sich seitdem Jahr für Jahr an die Seite von Umweltaktivisten und nimmt Themen aus der Verkehrs-, Energie- und Friedenspolitik auf. Organisiert wird die zweiwöchige Demoradtour komplett ehrenamtlich, basisdemokratisch und mit einem gewissen Maß an kreativem Chaos. Menschen aus ganz Deutschland und aus der jeweiligen Region bringen viele Ideen zusammen und erfinden die Tour jedes Jahr wieder neu.

An der Tour nehmen auch einige Mitglieder von autofrei leben! seit Jahren engagiert teil.

www.tourdenatur.net

 

 

18. September 2020, weltweit

PARK(ing)DAY

Der Park(ing) Day ist ein eintägiges globales Experiment und fand 2005 erstmals in San Francisco statt. Seitdem verbreitet er sich auf der ganzen Welt!

Idee ist, Auto-Parkplätze für ein paar Stunden in öffentlich nutzbare Flächen umzugestalten und so den öffentlichen Raum zurückzuerobern, der sonst nur von parkenden Autos eingenommen wird.

Der PARK(ing) DAY ist eine weltweite Aktion, bei der alljährlich Künstler*innen, Designer*innen oder ganz normale Bürger*innen einen abgegrenzten Parkplatz in einen temporären öffentlichen Park verwandeln.

Sie demonstrieren damit gegen die massive Platzverschwendung durch Parkfläche für Autos in den Städten, u.a. in Berlin, Karlsruhe, München, Leipzig, Stuttgart ...

Ist eure Stadt dieses Jahr mit dabei ... ?

www.parking-day-berlin.de

Aktuelle regionale Termine

Zitate

"Wir müssen in den kommenden Jahren mit einem Ölpreis von 200 bis 250 Dollar pro Fass rechnen."

--- Matthew R. Simmons, Erdölexperte, Autor des Buches „Wenn der Wüste das Öl ausgeht” (FinanzBuch Verlag, 2007).