Häufige Fragen und Antworten

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1.) Warum sollte ich autofrei leben?

Viele Einsteiger in das autofreie Leben stellen bald zu ihrer eigenen Überraschung fest, dass diese nachhaltigere Lebensweise keinen Verzicht bedeutet, sondern ihnen und ihren Nachbarn mehr Lebensqualität verschafft!

2.) Warum ohne Auto? - Es gibt doch Biosprit oder sparsame Erdgas- und Elektroautos!

Dass Autos die nichterneuerbare Ressource Erdöl oder Erdgas verbrennen, ist nur ein Argument von vielen gegen das Auto. Hinzu kommt zunächst der Materialverbrauch für die Herstellung des Gefährts. Bei der Produktion von Autos wird rund doppelt so viel CO2 freigesetzt wie bei ihrer Nutzung.

Darüber hinaus versiegeln die vielen Straßen für die Autos natürliche Böden und zerschneiden Landschaften sowie Stadtquartiere . Jedes Auto nimmt mindestens 20m2 Platz im öffentlichen Raum in Anspruch , verursacht Lärm und gefährdet die Gesundheit und das Leben der Menschen. Alternative Kraftstoffe lösen diese Probleme nicht.

Um genug Agrosprit (z.B. Öl aus Raps oder Alkohol aus Weizen) für alle deutschen PKW herzustellen, wäre mehr landwirtschaftliche Fläche nötig, als Deutschland überhaupt hat. In einer Situation, in der ein Ende des Welthungerproblems noch nicht absehbar ist, würden potenzielle Lebensmittel zu Sprit verarbeitet. Außerdem ist inzwischen erwiesen, dass Agrosprit gegenüber fossilen Treibstoffen keinerlei ökologischen Vorteil bietet.

Elektroautos haben gegenüber den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor  nur auf den ersten Blick den Vorteil der geringeren Lärmentwicklung und den geringerer Emissionswerte. Ab einer Geschwindigkeit von 40 km/h sind die Rollgeräusche von Autos lauter als ihr Motor, und bei der Erzeugung des Stroms für die Aufladung der Batterien entstehen natürlich auch Abgase, nur eben anderswo. 

Auch Wasserstoff muss unter Einsatz von Energie gewonnen werden. Wird er aus Erdgas hergestellt, entsteht sogar mehr CO2 als bei der direkten Verbrennung des Treibstoffs. Bei der Herstellung aus Wasser (Elektrolyse), evtl. unter Einsatz von Solarstrom, geht durch die verschiedenen Umwandlungsprozesse viel Energie verloren.

Wenn der Strom für die Batterien oder die Produktion von Wasserstoff mit erneuerbaren Energie hergestellt wird, ist das grundsätzlich zu begrüßen. Das Auto würde dann tatsächlich emissionsfrei fahren. Allerdings muss dabei bedacht werden, dass die erneuerbaren Energien, die dabei genutzt werden, nicht mehr der Industrie, dem Gewerbe oder den privaten Haushalten zur Verfügung steht. Diese müssen dann den vorhandenen Kohle- oder Atomstrom verwenden.

3.) Hängt nicht jeder siebte Arbeitsplatz vom Auto ab?

"Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland hängt vom Auto ab", so wird oft argumentiert. Dies beträfe rund fünf Millionen Menschen. Tatsächlich ist der Automobilindustrie (rund 720.000) und den Zulieferbetrieben (etwa 800.000.) zusammen gerechnet jeder 27. Arbeitsplatz zuzuschreiben. Der größte Anteil wird dem Bereich "Nutzung und Vertrieb" mit 3,35 Millionen Arbeitsplätzen angerechnet. Hier werden Beschäftigte von Banken, Versicherungen und Behörden großzügig mit gerechnet. Hinzu kommen Beschäftigte im Gesundheitsbereich, bei der Polizei, in den Ordnungsämtern und bei Versicherungen.

Zwar hängen viele Arbeitsplätze vom Auto ab. Das heißt aber nicht, dass dies für alle Zeiten so bleiben muss. Die Zahl der Beschäftigten in der Automobilindustrie liegt unter jener der achtziger Jahre. Grund sind Rationalisierungen in der Fertigung und Verlagerungen ins Ausland. In einer Untersuchung aus dem Jahre 1998 wurde nachgewiesen, dass schon bei einer Senkung der Pkw-Verkehrsleistung um 10 Prozent im Saldo rund 200.000 neue Arbeitsplätze entstünden. Wer in der Autoproduktion "entbehrlich" würde, könnte entsprechende Tätigkeiten in der Bahn- und Busindustrie erhalten. Und im Ernst: Fahren Sie Auto, um die Arbeitsplätze in der Autoindustrie zu sichern?

4.) Wie kann ich ohne Auto leben?

In der Kategorie "Autofrei mobil" stellen wir viele Möglichkeiten vor und erläutern, wie Sie ohne Auto unterwegs sein können. Auf den Seiten "Autofreier Transport" und "Autofreier Urlaub" erfahren Sie, dass es wirklich keinen ehrlichen Grund gibt, sein Auto zu behalten.

Ihren Kindern wird das Leben ohne Familienauto auch guttun. Kinder mögen das Stillsitzen im Auto meistens nicht, und ihre motorische Entwicklung wird durch die Bewegung an der frischen Luft und das Fahrradfahren stark gefördert. Im Zug haben sie mehr Bewegungsfreiheit und fahren kostenlos mit, wenn sie unter 15 Jahre alt sind.

Lesen Sie über den Alltag autofreier Menschen im autofrei leben! - Lesebuch ÜberLeben ohne Auto oder im Buch Eingebaute Vorfahrt , in der der Autor unsere automobilisierte Gesellschaft analyisiert und Vorschläge zu gesellschaftlichen und persönlichen Alternativen zur Überwindung derselben beschreibt.

5.) Ich habe keine Zeit, um ohne Auto zu leben!

Es gab schon Wettrennen, um es zu beweisen – aber eigentlich ahnt es jeder: In der Stadt ist man mit dem Fahrrad auf 90 Prozent der Wege am schnellsten. Auf längeren Strecken kommt es auf die Anbindung von Bus oder Bahn an – aber angesichts von Stauzeiten und Parkplatz-suchdauer sieht das Auto meistens alt aus.

Und wie viel Zeit in Ihrem Leben verbringen Sie eigentlich damit, nur für Ihr Auto zu arbeiten? Sie könnten ohne Auto mit dem gleichen Lebensstandard wahrscheinlich in Teilzeit arbeiten, und anfangen, das Leben zu genießen – auf dem Fahrrad oder beim Wandern in der Natur.

6.) Wie soll ich bei dem Wetter Fahrrad fahren?

Ein Wanderersprichwort sagt: "Es gibt kein schlechtes Wetter sondern nur unangepasste Kleidung." Das gleiche gilt für das Radfahren. Regenkleidung und Überziehhosen schützen die Kleidung vor Wasser, so dass man am Ziel trocken aus der Verpackung schlüpfen kann. Es empfiehlt sich etwas langsamer zu fahren, damit man nicht schweißgetränkt ankommt. Bei Glatteis sollte man, wie ein Autofahrer auch, angemessen vorsichtig fahren, und man kann im Gegensatz zum Autofahrer an kriti-schen Stellen absteigen und schieben. Für das Rad gibt es auch Spikes. Öffentliche Verkehrsmittel haben in extremen Fällen auch Probleme mit Glatteis, aber da ein Bus eine bessere Straßenlage als ein Auto hat, kommt es nur selten zu Unfällen, maximal zu Verspätungen.

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Autofahrer oft wetteruntaugliche Kleidung tragen? Im Gegensatz zu Ihnen setzen sich Fußgänger und Radfahrer mit der Witterung auseinander und haben die passende Kleidung an. Wechselkleidung im Büro z.B. erleichtert die Anpassung an neue Wetterverhältnisse.

7.) Busse und Bahnen haben doch ständig Verspätungen!

Verspätungen in öffentlichen Verkehrsmitteln kommen genauso vor wie Verspätungen mit dem eigenen Auto. Gerade der Umgang mit Verspätungen zeigt den Unterschied zwischen der Autofahrer- und Bahnfahrermentalität: Ein Autofahrer wähnt sich immer als Herr seiner Lage, kontrolliert das Fahrzeug und wählt seine Strecke selbst. Auch dann wenn er im Sommerferienanfangsstau schmort, fühlt er sich noch als Individuum. Der erfahrene Bahnfahrer dagegen hat sich damit abgefunden, die Verantwortung für sein Vorankommen anderen zum großen Teil zu überlassen. Er hat immer genug Lesestoff und Picknick dabei, kann gelassen bleiben oder kennt die alternativen Verbindungen im Schlaf.

8.) Wie komme ich denn am Wochenende raus aufs Land?

Es gibt Gegenden, die von dem öffentlichen Verkehrsnetz am Wochenende so gut wie abgeschnitten sind. In diesem Fall bietet es sich an, vom nächsten größeren Bahnhof aus mit dem Rad zu fahren. Das Rad kann man im Fahrradabteil des Zuges transportieren oder, wenn dies nicht vorhanden ist, ein Faltrad verwenden. Wenn auch das nicht möglich ist, bleibt immer noch Carsharing .

9.) Was soll ich denn im Notfall ganz ohne Auto machen?

Viele Menschen behalten ihr Auto mit der Begründung bzw. Angst, es könnte ja doch einmal „etwas“ passieren, das nur mit dem Auto zu meistern wäre. Diese Angst ist eher irreal, denn für den Notfall gibt es immer noch Notarzt und Feuerwehr oder Taxis. Diese haben sogar noch den Vorteil, dass man auf einen professionellen Fahrer vertrauen kann, während man selbst in der Nervosität Fahrfehler machen könnte. Die Angst vor dem Verlust der Autonomie ist verständlich. Aber: Sie sind nicht auch froh, dass wir in einem arbeitsteiligen sozialen Geflecht aus Menschen und Dienstleistungen leben? Oder was machen Sie, wenn Ihr Auto im Notfall streikt?

10.) Wie kann ich den Umstieg schaffen?

Wie bei einer Entziehungskur ist der Sprung ins kalte Wasser oft die wirkungsvollste Möglichkeit sich vor faulen Kompromissen und Rückfälligkeit zu schützen.  Wenn Sie es sich zutrauen, verkaufen Sie Ihr Auto einfach oder kaufen kein Neues mehr, wenn diese Entscheidung ohnehin ansteht. Nach anfänglichen „Entzugserscheinungen“ finden Sie einen neuen, autofreien Lebensrhythmus. Mehr Antworten finden Sie auf der Seite "Richtig umsteigen"

11.) Wo finde ich Unterstützung?

autofreleben! e.V. sieht seinen Schwerpunkt in der Überwindung der Autogesellschaft. Der individuelle Abschied vom Auto ist angesichts des globalen Klimawandels und den tausenden Verkehrstoten auf Deutschlands Straßen ein notwendiger Schritt - Wir helfen ihn zu gehen!

Wir haben Ansprechpartner und Regionalgruppen vor Ort. Hier finden Sie sie .

Häufige Fragen zur Verkehrsberuhigung in ihrer Umgebung zum Beispiel in der Art

Wie kann ich in meinem Ort ...
... eine Verkehrsberuhigung mit `Tempo 30´ durchsetzen?
... 3 Sekunden mehr Ampelgrün für Fußgänger durchsetzen?
... die Umstellung des Verwaltungsfuhrparks auf Rußfilter durchsetzen?

beantworten am besten Umweltverbände, die sich mehr mit der Verbesserung des Straßenverkehrs beschäftigen, wie etwa ADFC ,
BUND , VCD , FUSS  / UMKEHR , Grüne Liga . Besonders hilfreich sind neben den Ortsverbänden der genannten Organisationen auch die lokalen Initiativen der Lokalen Agenda 21  (LA21), in denen häufig die örtliche Verwaltung involviert ist.

Noch nicht fündig geworden? Diskutieren Sie individuelle Fragen in der Mailingliste , lassen Sie sich neueste Meldungen zum Thema zuschicken (Mailingliste: Announce ), oder wenden Sie sich direkt an uns: Kontakt .

Zitate

"Marterl am Straßenrand, mit denen Angehörige von tödlich verunglückten Menschen der Verstorbenen gedenken, sind Ausdruck des bayerischen Lebensgefühls. Sie werden auch in Zukunft an Bayerns Straßen stehen."

--- Amtsleiter Hermann Jung, Ingolstadt, 1997