Autofreie: Luftablassen löst kein Klimaproblem

[01.07.2007/01.03.2012] Militante Umweltschützer haben in Berlin bei einer Vielzahl von hochmotorisierten Autos die Luft aus den Reifen gelassen. Aus diesem Anlass erklären die deutschen Organisationen, die Mitglieder des World Carfree Network (WCN) sind:

Genauso vehement, wie wir den Automobilismus kritisieren, lehnen wir grundsätzlich und ausnahmslos alle Aktivitäten als Mittel jeglicher Auseinandersetzung ab, bei der Menschen zu Schaden kommen könnten. Dazu gehört auch das allmähliche Luftablassen aus Autoreifen.  

So ehrenwert die Ziele der anonymen Umweltschützer bzw. SUV-Hasser auch sein mögen, ihre Methoden sind perfide und lebensgefährlich: Laut Presseberichten stopften sie kleine Steinchen o.ä. in die Ventile, so dass die Luft nur langsam aus den Reifen entweicht. Gleichzeitig hinterlassen sie Bekenner-Flugblätter mit Verweis auf den Klimawandel.

Es ist nun vorstellbar, dass das Flugblatt fortgeweht oder übersehen wird, der/die Fahrer/in in das Auto einsteigt, nichtsahnend losfährt, und erst bei hoher Geschwindigkeit merkt, dass der Reifen platt ist – dann ist es zu spät und es könnte Unfälle mit dramatischem Ausgang geben, bei denen weitere Unschuldige zu Schaden kommen!

Wir distanzieren uns ausdrücklich von solchen Taten und fordern alle, die mit der Forderung nach autofreien Lebensstilen sympathisieren, dazu auf, in ihrem Engagement gegen die Auto-Unkultur jegliche gefährdende Aktivitäten zu unterlassen. Jeder Mensch, der im Namen dieses berechtigten Anliegens anderen Schaden zufügt, diskrediert selbiges. Dass das World Carfree Network in Medienberichten im Zusammenhang mit diesen Taten genannt wird, schädigt das Ansehen der „Autofreien“ weltweit.

Hochmotorisierte Autos wie z.B. SUVs, die mittlerweile nicht nur von „Autofreien“ als „Klimaschweine“ bezeichnet werden, verschmutzen massiv die Umwelt und beschleunigen den Klimawandel. Die Berliner Grünen haben daher vollkommen recht, wenn sie erklären „Geländewagen machen Klima platt“ (Pressemitteilung am 27.07.2007).
Zudem drehen diese völlig überflüssigen „Monsterautos“ die Gewaltspirale im alltäglichen Straßenverkehr weiter voran, denn Unfälle mit diesen Autos sind weitaus gefährlicher als solche mit normalen Autos.

Wir sehen grundsätzlich in der gegenwärtig weltweiten Kultur des Automobilismus ein massives Problem: Das reicht von der Zerstörung unserer Umwelt über die Verschlechterung der Lebensqualität unserer Städte durch eine fortgesetzte autogerechte Stadt- und Verkehrsplanung bis hin zu Tausenden von Verkehrstoten (2006 gab es allein in Deutschland 5.091 Verkehrstote und über 420.000 Verletzte), die die Gesellschaft offenbar bereit ist als Kollateralschaden zu tolerieren.

Das World Carfree Network vernetzt autofreie Organisationen und Aktive auf der ganzen Welt und engagiert sich für Alternativen zur Auto-Abhängigkeit. WCN unterstützt autofreie Lebensstile und fordert die Abkehr von der autogerechten Planung von Städten und Kommunen. Das Ziel ist eine Reduzierung des schädlichen Einflusses des Menschen auf die Umwelt und eine Steigerung der Lebensqualität für alle.

Im Namen der deutschen WCN-Mitgliedsorganisationen:

sowie


Aktuelle Ergänzung 2012 zu den Brandanschlägen auf Pkw:

Genauso, wie autofrei leben! e.V. im Juli 2007 das heimliche Luftablassen bei Autos verurteilt hat, lehnen wir die Brandstiftungen an Pkw entschieden ab. Mit diesen verbrecherischen Taten werden Menschenleben gefährdet, fremdes Eigentum zerstört und die Umwelt aufgrund der enormem Schadstoffbelastung beim Brand stark geschädigt.

autofrei leben! e.V. setzt sich für ein Mobilitätssystem ohne Pkw ein und möchte Menschen ermuntern, freiwillig auf ein Auto zu verzichten. Die Serie von Brandstiftungen an Pkw in Hamburg und Berlin in den letzten Jahren nötigt Menschen fremde Wertvorstellungen auf und diskreditiert unser Ziel.

Zitate

"Marterl am Straßenrand, mit denen Angehörige von tödlich verunglückten Menschen der Verstorbenen gedenken, sind Ausdruck des bayerischen Lebensgefühls. Sie werden auch in Zukunft an Bayerns Straßen stehen."

--- Amtsleiter Hermann Jung, Ingolstadt, 1997